Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?
Wurde Ihnen diese Frage schon
einmal gestellt und Sie haben geantwortet wie Petrus? Eine Frechheit,
mögen Sie vielleicht jetzt denken. Aber finden wir Menschen uns nicht
öfter in der Rolle des Petrus als in der Rolle des Judas?
Wie
und wann verrate ich Jesus in unserer heutigen Zeit?
Umgelegt in unsere
Zeit müsste ich dann einen meiner Mitmenschen dem Gericht ausliefern,
ihn ins Gefängnis bringen lassen – und dies bewusst durch bezahlten
Verrat! Es wird sicherlich solche Menschen – heute würde man
sie „Kopfgeldjäger“ nennen – geben, doch wenn wir
in unserer Lebensebene bleiben, geschieht dies doch eher seltener.
Anders sieht die Sache aber aus, wenn wir uns Petrus zuwenden.
Wie
und wann verleugne ich Jesus in unserer heutigen Zeit?
„Bist nicht auch du ein
Jünger dieses Menschen?“
Eine solche Situation kommt sicherlich öfter im Leben vor, wo wir
die Bekanntschaft mit Jesus leugnen.
Und so wie Petrus damals zu Jesus, werden auch wir heute sagen „Niemals,
Herr, werde ich dich verleugnen“ – und es
wird auch für uns der Hahn krähen ...
Es könnte sein, dass ich mich nicht traue, bei meinen Arbeitskollegen,
im Bekanntenkreis, dem/der neuen „HerzensverehrerInn“ zu bekennen,
dass ich regelmäßig die Sonntagsmesse feiere.
Es wird verheimlicht – also wird Jesus
verleugnet!
Das mir die Sakramente wichtig
sind und ich danach und mit ihnen leben möchte.
Es fehlt aber der Mut sich zu den Sakramenten
zu bekennen – also wird Jesus verleugnet!
Wenn ich einen meiner Mitmenschen
behilflich sein kann und ich viele Gründe finde dies nicht zu tun.
Es wird ein Mensch von mir im Stich gelassen
– also wird Jesus verleugnet!
Wenn ich achtlos mit der Umwelt
umgehe und nur auf Profit aus bin.
Es wird die Schöpfung Gottes durch mich
zerstört und verkauft – also wird Jesus verleugnet!
Wir sehen zwar in Judas den „Bösewicht“, der Jesus an’s
Messer geliefert hat, aber wir erkennen uns oft nicht in Petrus, der aus
Angst Jesus verleugnet hat.
Wir
sehen uns sogar gerne als jenen Petrus, der „der Fels“ ist.
Mit jenem Petrus, der Angst, Enttäuschung und Verzweiflung erlebt,
wollen wir jedoch nicht verglichen werden. Und so wie Petrus nach der
„Verleugner-Situation“ seinen Karfreitag durchlebt hat und
das befreiende und beglückende Gefühl von der Osternacht erleben
durfte, so werden auch wir das Licht der Osternacht sehen.
(Brigitte Gith)
MARTIN,
DER SCHUSTER
eine nette Legende von Leo Tolstoi
Es war einmal ein armer Schuster, der hieß Martin und lebte in einem
Keller. Durch das kleine Kellerfenster konnte er die Menschen sehen, die
draußen auf der Straße vorübergingen. Zwar sah er nur
ihre Füße, doch erkannte er jeden an seinen Schuhen. Fast alle
dieser Schuhe hatte er schon ein- oder zweimal in seinen Händen gehabt.
Schon seit vielen Jahren arbeitete Martin in dem Keller, der ihm zugleich
Werkstatt und Wohnung war. Von morgens bis abends schnitt er Leder zurecht,
nagelte neue Sohlen auf die Schuhe oder nähte einen Flicken auf die
geplatzte Naht. Die Leute kamen gerne zu Martin, denn er machte seine
Arbeit gut und verlangte nicht zuviel Geld dafür.
Wenn der Abend kam und es draußen dunkel wurde, zündete Martin
die Lampe an und las in seinem Lieblingsbuch. Es war die Bibel mit den
vielen Geschichten von Jesus. Den ganzen Tag freute er sich auf dieses
Buch. Er konnte den Abend kaum erwarten.
Eines Tages hörte Martin, wie jemand seinen Namen rief. "Martin",
klang es plötzlich ganz leise an seinem Ohr. Er blickte sich um.
Aber niemand war in seiner Werkstatt. Doch gleich darauf hörte er
die Stimme wieder: "Martin! Schau morgen hinaus auf die Straße.
Ich will zu dir kommen."
Martin dachte, er habe geträumt. War es Jesus, der aus der Stille
zu ihm sprach? Am nächsten Morgen sah Martin vor seinem Fenster ein
Paar alte, geflickte Soldatenstiefel und bald erkannte er auch den Mann,
der sie anhatte. Es war der alte Stephan. Er schaufelte gerade den Schnee
von der Straße. Die Arbeit strengte ihn sehr an. Er mußte
immer stehenbleiben, um sich auszuruhn. Martin hatte Mitleid mit dem alten
Mann und rief ihn zu sich herein: "Komm, Stephan! Wärme dich
in meiner Stube!" Dankbar nahm Stephan die Einladung an. Er getraute
sich kaum, mit dem Schnee an den Stiefeln die Stube zu betreten. Doch
Martin redete ihm freundlich zu: "Setz dich zu mir an den Tisch,
Stephan. Ich will dir ein Glas Tee einschenken. Der warme Tee wird dir
guttun."
Als Stephan gegangen war, schaute Martin bei der Arbeit wieder aus dem
Fenster. Da sah er eine junge Mutter mit einem kleinen Kind auf den Armen.
Die Frau fror in ihrem dünnen Kleid. Sie versuchte, ihr Kind vor
dem kalten Wind zu schützen. "Komm herein, Frau!", rief
ihr Martin zu. "Hier drinnen kannst du dein Kind besser wickeln."
Martin nahm die Suppe vom Herd, die er für sich selber gekocht hatte,
und gab sie der Frau. "Hier, iß etwas", sagte er, denn
er sah der Frau an, dass sie Hunger hatte. Während die Mutter die
Suppe aß, nahm Martin das Kind auf seinen Schoß und versuchte,
es durch allerlei Späße zum Lachen zu bringen. Dann gab er
es der Mutter zurück. "Halt! Bevor ihr geht, will ich dir noch
etwas mitgeben, worin du dein Kind einwickeln kannst." Martin holte
seine alte Jacke und schenkte sie der Frau.
Kaum war die Mutter mit dem Kind gegangen, da hörte Martin ein Geschrei
vor seinem Fenster. Eine Marktfrau schlug auf einen kleinen Jungen ein,
der einen Apfel aus ihren Korb gestohlen hatte. "Warte nur, du Dieb!
Ich bringe dich zur Polizei!", schrie sie wütend und zerrte
den Jungen an den Haaren. Sofort rannte Martin auf die Straße hinaus.
"Lass ihn doch laufen", sagte er zu der Frau. "Er wird
es bestimmt nicht wieder tun. Den Apfel will ich dir bezahlen." Da
beruhigte sich die Frau und der Junge mußte sich bei ihr entschuldigen,
weil er den Apfel gestohlen hatte. "Schon gut", sagte die Marktfrau
und ging weiter. Der Junge aber half ihr freiwillig, den schwere Apfelkorb
zu tragen.
Am Abend las Martin wieder in seinem Lieblingsbuch, in der Bibel. Da hörte
er die leise Stimme an seinem Ohr: "Ich bin bei dir gewesen, Martin.
Hast du mich erkannt?" "Wann? Wo?", fragte Martin erstaunt.
"Schau dich einmal um", sagte die Stimme. Da sah Martin plötzlich
den alten Stephan im Licht der Lampe stehen und daneben die junge Mutter
mit ihrem Kind. Auch den Jungen mit dem Apfel sah er und die Marktfrau
mit dem Korb am Arm. "Erkennst du mich jetzt?" flüsterte
die Stimme. Dann waren sie alle auf einmal verschwunden. Da freute sich
Martin. Er schlug wieder seine Bibel auf und las, was Jesus gesagt hatte:
"Alles, was ihr den Armen getan habt, das habt ihr mir getan."
GEBT
ACHT ...
Der Priester gab bekannt,
dass Jesus Christus selbst am nächsten Sonntag in die Kirche kommen
würde. Die Gemeinde kam in großer Zahl um ihn zu sehen. Jedermann
erwartete, dass er predigen würde. Jeder bot ihm Gastfreundschaft
für die Nacht an, besonders der Priester, aber er lehnte höflich
ab. Er sagte, er wolle die Nacht in der Kirche verbringen.
Am nächsten Morgen
schlich er sich früh davon, noch ehe die Kirchentore geöffnet
wurden. Und zu ihrem Entsetzen entdeckten der Priester und die Gläubigen,
dass ihre Kirche mutwillig beschädigt worden war. Überall an
den Wänden stand geschrieben: „Gebt Acht!“ Kein Teil
der Kirche war verschont geblieben, Türen und Fenster, die Säulen,
die Kanzel, der Altar, nicht einmal die Bibel auf dem Pult. „Gebt
Acht!“ In großen oder kleinen Buchstaben war es eingekratzt
mit Bleistift, Feder, in jeder nur denkbaren Farbe hingemalt. Wohin das
Auge blickte, sah man die Worte: „Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht,
gebt Acht!“
Erschreckend, aufreizend,
verwirrend, faszinierend, furchterregend. Worauf sollten sie Acht geben?
Das stand nicht da. Es hieß nur „Gebt Acht!“ In einer
ersten Regung wollten die Leute jede Spur dieser Schmiererei, dieses Sakrilegs
wegwischen. Nur der Gedanke, dass Jesus selbst es getan hatte, hielt sie
davon ab.
Nun begann dieses
geheimnisvolle „Gebt Acht!“ in das Innere der Menschen einzusinken,
wenn sie die Kirche betraten. Sie begannen auf die Heilige Schrift achtzugeben,
sodass sie davon profitieren konnten, ohne frömmlerisch zu werden.
Sie begannen auf die Sakramente zu achten, sodass sie geheiligt wurden,
ohne abergläubisch zu werden. Der Priester begann sich seiner Macht
über die Menschen bewusst zu werden, ohne sie beherrschen zu wollen.
Und jedermann begann auf die Religion zu achten, denn wer nicht aufpasst,
kann leicht selbstgerecht werden. Sie begannen auf die Kirchengesetze
zu achten, sodass sie gesetzestreu wurden und doch barmherzig gegenüber
den Schwachen blieben. Sie begannen auf das Gebet achtzugeben und sich
nicht abhalten zu lassen selbstständig zu werden. Sie begannen sogar
sich ihrer Vorstellungen von Gott bewusst zu werden, sodass sie ihn auch
außerhalb der engen Grenzen ihrer Kirche erkennen konnten.
Nun haben sie das
aufrüttelnde Wort über den Eingang ihrer Kirche geschrieben,
und wenn man in der Nacht vorbeifährt, kann man es in mehrfarbigem
Neonlicht über der Kirche leuchten sehen.
aus Anthony de
Mello: Geschichten, die gut tun. Weisheit für jeden Tag, (Freiburg:
Herder, 2. Auflage 2001), S. 76 - 77
DIE
WELT MIT ANDEREN AUGEN SEHEN
Zu einem Mönch,
der in einem einsamen Kloster lebte, kamen Leute und fragten:
„Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben in dieser Stille
und Einsamkeit?“
Der Mönch war gerade dabei, Wasser zu schöpfen.
Er sagte den Besuchern: „Schaut in den Brunnen!“
Sie sagten: „Wir sehen nichts.“
Nach einer Weile forderte der Mönch die Besucher noch einmal auf,
in den Brunnen zu schauen.
„Was seht ihr jetzt?“, fragte er sie und sie sagten: „Jetzt
sehen wir uns selbst.“
Da sagte der Mönch: „Als ich vorhin Wasser geschöpft habe,
war das Wasser unruhig.
Jetzt ist es ruhig geworden. Das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht
sich selbst.
Und wenn man in sich selbst zur Ruhe gekommen ist, sieht man auch die
Welt mit ganz anderen Augen – und Gott.“
HABE
ICH MICH SCHON FÜR GOTT ENTSCHIEDEN?
Wie oft haben wir
uns diese Frage eigentlich schon gestellt?
Haben wir sie uns überhaupt schon einmal gestellt oder vermeiden
wir es lieber, uns dieser Frage zu stellen?
Da muss einem ja schon
sehr langweilig sein, damit man auf solch eine Fragestellung kommt ...
Aber wenn ich mir diese Frage einmal gestellt habe, stelle ich fest, dass
sie doch nicht so leicht zu beantworten ist.
Da müsste ich ja zuerst klären, wer oder was ist Gott für
mich?
Ist ER ein Relikt alter Traditionen für mich, den ich gerne in seinem
Haus (Kirche) aufsuche, wenn es etwas zu feiern gibt – weil es sich
eben so gehört. Oder weil es mir in meinem Leben schlecht geht?
Oder ist er für mich mehr? Und wenn ja? Wenn ich in mir eine mir
nicht begreifliche Sehnsucht spüre – tue ich mir dann leichter
in meiner Entscheidung für Gott?
Es ist doch wohl so, dass – bevor ich mich für etwas
oder jemanden entscheide – ich zuerst nachdenke!
Nun, ich prüfe, - ja aber was soll ich bei Gott prüfen?
Bei Gott brauche ich nichts zu prüfen, bei mir selbst muß
ich ansetzen!
Für mich stellt sich die Frage: „Kann ich Gott in
mir erkennen und IHN einlassen?“
Nehme
ich die Chance wahr, mich für Gott zu entscheiden? |